Schokolade


Schwer atmend wuchtet er den Sack von seinen Schultern und lässt ihn auf die Plastikfolie fallen.

Der Schweiß tropft ihm vom Gesicht.

30 Grad im Schatten, tropisch feuchte Luft, Elfenbeinküste.

Er bückt sich und verteilt die Kakaofrüchte auf der Plastikfolie.

Wie alt er sei? 19, dass sagen hier alle. Dem Aussehen nach ist er wohl eher zwölf. Er geht gebeugt, erste Anzeichen für einen Buckel sind zu sehen. Er ist hager, wiegt kaum mehr als der 50 Kilosack den er getragen hat.

Er arbeitet von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. Ohne Pause.

Was er verdiene? Gar nichts, er bekommt zu Essen. Warum das so sei? Es ist wohl Gottes Wille, seine Eltern sind arm.

Manche Bauern hier kaufen Kinder. Zwischen fünf und fünfzehnjährige.

Einmal schon hat er eine von den weißen Kakaobohnen probiert – bitter und sauer sind sie. Die probiert man nicht nochmal. Er hat gehört, dass sie daraus in Europa Schokolade machen. Die soll süß und sehr lecker sein. Gegessen hat er noch nie eine.

Wird er auch nicht – zwei Jahre später ist er tot.

Ob Kinder-Schokolade in Deutschland so heißt um uns an sein Schicksal zu erinnern?

 

Werbeanzeigen

Schlagwörter:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: